Trauriger geht nimmer. Aber die Liebe, die geht immer. Eine Rezension.

Vorangestellt: Das hier ist kein Freundschaftsdienst.

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Da steht er und liest, in schwarz-weissem Gwand. Der Man in Red.

Aber von Anfang an: Da sitz ich neulich im Vereinsheim Schwabing, dem charmanten, urechtmuenchnerischen Vorhof zum Lustspielhaus – zum ersten Mal, letzeres eigentlich unverzeihlich. Schwabinger Schaumschlaeger also. Angemessen aufgeregt, wie das so ist, wenn da oben jemand auf der Buehne steht, der dir nicht nur von intensiver Werkrezeption (Endlich mal live erleben!) oder vom Bravo-Starschnitt her (Wie sieht der wohl in echt aus?) bekannt ist, sondern in der Tat aus dem leibhaftigen Leben der eigenen Schwabinger Vergangenheit und der nun bundeslanduebergreifenden Gegenwart. Dann liest er da oben aus seinem ersten richtigen Buch. Richtig, weil auf amazon bestellbar, mit ISBN-Nummer und so.

Daher der anfaengliche Freundschaftsdisclaimer. Denn auch wenn der Autor (und vielleicht sogar der Erzaehler) des Buchs, ueber das ich hier schreibe, und aus dem (im Nachhinein betrachtet) gut ausgewaehlte Stellen im Vereinsheim vorgetragen (OK, eher vorgelesen) wurden, ein guter alter Freund ist (alt im Sinne von schon lange, weil was ist schon alt heutzutage?), versichere ich hiermit eidesstattlich und standesgemaess, dass es im Anschluss an die Lesung und den Erwerb einer druckfrischen, freundschaftlich-liebevoll signierten Erstausgabe keine kartellrechtlich bedenklichen Absprachen gegeben hat, die Authentizitaet und Ehrlichkeit der folgenden Zeilen in Zweifel ziehen koennten.

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Da wird hinter meinem Ruecken signiert.

 

Da ist was schiefgelaufen!

“Und wenn jemand mehr als fuenf Absaetze dieses Textes am Stueck liest, muss auch was schiefgelaufen sein”, heisst es da auf Seite 175 des unter anderem “Eine Kulturgeschichte der deutsch-texanischen Beziehungen” untertitelten Werks “Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes” (am 1. August 2016 im hessischen weissbooks-Verlag erschienen). Mist, dann ist bei mir wohl was gruendlich schiefgelaufen, so rein gesundheitszustandsmaessig, denn nicht nur habe ich sogar mehrere Seiten, manchmal sogar mehrere Kapitel am Stueck, ich habe das Buch sogar zuende gelesen, in wenigen Tagen. Ziemlich schnell, nicht nur fuer meine normale Minus-Warp 5-Lesegeschwindigkeit. Vielleicht ging das auch so geschmeidig vonstatten, weil im Texas Italiens, sprich in bzw. auf Sizilien gelesen?

Nun also zum Buch.

Viel (OK, a bisserl) wurde bereits medial gemunkelt ueber die angebliche Identitaet des Menschen, der da erzaehlt … Martin Wimmer: Bueroleiter des Frankfurter Buergermeisters; Martin Mueller: BMN-Texter, Top-Manager diverser teils noch, teils nicht mehr existierender Unternehmen, reichlich Abgefundener; DJ Borderlord: Programmatischer Plattentellerkoenig in Suedstadt und Substanz; Willi Ehms: Muenchner Poet mit Hang zu boarisch-texanischen Songtexten. Wenn man selbst heute noch mit mahnendem Erstsemestergermanistikfingerzeig und einem “Der Autor ist nicht der Erzaehler” augenbrauenhebend medial punkten und ueberraschen kann, moechte ich mich damit gar nicht erst aufhalten. Been there, done that.

Ist auch herzlich unerheblich.

Ebenso unerheblich die Frage nach dem “Was ist das denn nu?”. Weil wenn nicht “Roman” vorne drauf steht, oder das Buch in der Spiegel Sachbuch-Bestsellerliste auffindbar, ist der geneigte Leser oftmals verwirrt, weiss nicht, welche Schublade er fuer seine Gedanken beim Lesen oeffnen soll. Autobiografie? Abhandlung? Vielleicht doch Fiktion irgendwie? Poesie? Essay? Letzteres legt der Erzeahler an der ein oder anderen Stelle selbst nahe, vielleicht aber auch nur, um in die Irre zu fuehren oder Schubladengelueste zu befriedigen? Vielleicht aber auch … egal.

Dann der Titel des Buchs: Fuer Feuilletonisten ein gefundes Fressen, fuer Martinfreunde eine gewohnt gelungene Mischung aus PR und Substanz. Viel wichtiger der Untertitel: “Eine Kulturgeschichte der deutsch-texanischen Beziehungen, eine politische Autobiographie, die Poetikvorlesung eines leidenschaftlichen Sprachspielers, abenteuerliche Rezensionsreise zu Songs, Filmen und Buechern, und vor allem ein Plaedoyer fuer ein wildes, freies Leben voller Liebe.” Da is mal ein Statement. Nur was fuer eins?

In jedem Fall ist das Werk mal eines: ein Buch. Sogar eines in der von mir bevorzugten Variante, mit Buchdeckel, Seiten aus Papier und so (“Papa, warum liest Du immer mit Bleistift???”), Titelseite, Klappentext (auf plattenisch: Linter Notes), und innendrin: ganz viele Worte.

Schlaue Worte, verspielte Worte, Wortspiele, selbstverant-wort-ete Spiele, Gedichte oder Songtexte (thin line!), Erinnnerungen (ob beschoenigt oder bewusst betraurigt, bleibt, der teilweisen Ignoranz gedankt, unkommentiert), Beobachtungen, politische Vermessungen der (eigenen) Welt, allem voran aber:

Beziehungsworte.

Denn wenn das Buch irgendwas ist, dann ein Beziehungsbuch. Anhand eigener und fremder Beziehungen, eigener Beziehungen mit Fremden, der Fremden Beziehungen untereinander, eigener Fremdbeziehungen und teils befremdender Eigenbeziehungen dieses unter dem aktuellen Sammelnamen Martin Wimmer subsummierten Erzaehlautoren, des traurig-neuen Hilmar-Townes, werden viel groessere Semmeln gebacken, Steaks gewendet, Eier gekrault. Da geht es um:

Die Beziehung des Texaners an sich zum Deutschen, vor allem zum deutschen Outlaw, dem Bayern: “Strauss und Reagan, Bush und Stoiber, […], Muenchen und Austin, […], Spider Murphy Gang und Texas Tornados, […], Cactus Café und Substanz, […], Kerrville Folk Festival und Tollwood, Musikantenstadl und Austin City Limits, Liesl Karlstadt und Janis Joplin, […], Larry Hagmann und Helmut Fischer […]. Mehr Zwiefache ueber Bayern und Texas als je zuvor in der Geschichte.”

Die Beziehung zwischen Country-Musik und den Folkloren oder Kunstbewegungen im Rest of World (denn was fuer den Bayern die Weisswurschtgrenze, ist fuer den Texaner der Cordon um Austin, San Antonio und Luckenbach): “‘I began to see a connection between country music and Dada.’ Das ist mein Mann.”

Die Beziehung der Songtexte eines Townes van Zandt, eines Jerry Jeff Walker, eines Steve Earle, eines Woody Guthrie, eines Bob Dylan zu denen eines Wolfgang Ambros, eines Markus Rill, eines Ostbahn Kurti, eines Helge Schneider, sogar eines Roberto Blanko, einer Mary Roos. Und vieler mehr, denn dem self-fulfilling, self-pleasing, self-impressing Namedropping vermoegen selbst die Wort-, Satz-, Seiten- und Kapitelenden keine Grenzen zu setzen in diesem … Dings: “Alles ist Perspektive., Auswahl, Zusammenhang. […]. ‘Es haengt alles irgendwo zusammen. Sie koennen sich am Hintern ein Haar ausreissen, dann traent das Auge.’”

Die Beziehung dieser Texte und Singer und Songwriter zu und in Filmen, zu und in Buechern, zum und im Leben, und ueberhaupt: Ist das Leben nicht ein einziger Text?: “Mein Leben, dieser Text.”

Die Beziehung zwischen politischen Richtungen und Programmen, quasi Ortsbesimmung und Wegbeschreibung, und ist nicht ueberhaupt alles nichts ohne Kultur?: “Wer sagt und tut, was er soll oder muss, ist Spiesser, rechts, boese. Wer sagt und tut, was er kann oder will, ist Rebell, links, gut.”

It ain’t me, babe.

Mal auf, stets aber zwischen den Zeilen, geht es jedoch vor allem um die Beziehungen der Autoerzaehlers (klingt irgendwie autoerotisch…). Die Beziehung des Bayern Martin zu Texas, den USA, und vielen anderen geheimnisvollen Orten dieses Planeten, wie Muehldorf, Ampfing, Madrid, Frankfurt, und natuerlich Schwabing. Die Beziehung des Texters und Songwriters Willi Ehms (ohne Singer, weil weniger Performer als Reformer) zu all dem und den oben Erwaehnten. Die Beziehung des oft gescheiterten und doch mittlerweile angekommenen Womanizers Mueller zu einer schier unzaehlbaren Menge an willigen, an enzyklopaedischen Lippen haengenden Frauen (ich erinnere mich nur zu gut an Frustrationsmomente im Schwabinger WG-Zimmer neben der Muellermartinbibliothek, Ladys ohne Ende am Boden vor dem Vinylaltar und seinem Hohepriester … Shit, und ich hoer Musik nur, weil sie mir gefaellt, wie banal. And he’s gonna score again!): “Ich habe in meinem Leben mit so dreissig Frauen geschlafen, vielleicht ein Dutzend mehr, und dann habe ich waehrend meiner Ehe noch mal ein halbes Dutzend nachgeschoben, darunter vor allem die besten Freundinnen meiner Frau.” Koennte man so stehen lassen, ware aber unfair, denn danach kommt noch: “Nein, habe ich nicht aber was das fuer Songs geworden waeren, denen darf man schon mal kurz hinterhertrauern.”

Dieser Satz ein Satz, der die programmatische Staerke und gleichzeitige sublime Schwaeche dieses Buchs ausmacht. Denn es geht unterm Strich ja – allen kokettierenden und geschickt platzierten Gegenteilsbekundungen zum Trotz – um die Beziehung dieses Wimmer Martin zu sich selbst. Wegweisend hierfuer der Einstieg im zweiten Kapitel, nicht in Townes-, sondern eher in Dylan-Manier: “…und so heisse ich heute Wimmer Martin und weiss nicht, wer ich bin”, das ist wimmerisch fuer “I’m not there” oder “It ain’t me, babe”.

Mir ist das ja grundsympathisch, denn ich habe auch noch keine Ahnung, wer oder was ich werden will, wenn ich mal gross bin. Sympathisch und nostalgisch auch das viele mir persoenlich Bekannte, weil selbst miterlebt oder selbst viele Male erzeahlt bekommen. Lehrreich auf jeder Seite (“Liebes Kind, deswegen lese ich mit Bleistift, damit ich danach von vorne beginnen kann, und zwar mit Mr. Wikipedia und Lady Spotify an meiner Seite!”). Erfurchtsgebietend ob des auf diesen 282 Seiten zur Schau gestellten, vorhandenen wie recherchierten und somit danach vorhandenen Wissens (was mir ja bewusst war, nevertheless: WTF, man?!? Respect!). Aber auch erfurchtsgebietend ob dieser unglaublich vielen, nicht nur sterilisierten und aesthetisierten, niemals anaesthesierenden Saetze und Formulierungen, sondern vor allem vor der Schoenheit vieler in Worte gekleideter Gedanken und Gefuehle.

Ueber modernen Musikkonsum: “Die Musiksammlung der Welt ist jetzt grenzenlos geworden, nur muss jetzt nicht mehr der Geldbeutel mitwachsen, sondern die Neugier, und man braucht keine Regalflaeche im Wohnzimmer mehr zum Stapeln des Nichtmehrgehoerten, sondern Erlebnisflaeche im Herzen zum Geniessen des Ebenerlebten.”

Ueber die Liebe: “Alle paar Jahre kommt die Liebe vorbei, aber wennst nicht dauernd nachtelefonierst, wird halt auch nix draus.”

Ueber das Leben: “In den Geschichten meiner Grosseltern war die Kunst immer: zu ueberleben. […] In den Geschichten meiner Eltern ging es dann schon darum: besser zu leben.” Oder: “Dokumentationen des Scheiterns sind immer bessere Filme als Sommermaerchen des Gelingens.” Oder einfach: “Lieste was, lernste was.”

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Zusammenfassend und in diesem Sinne (denn sonst ginge das hier noch ewig weiter, andererseits: who gives a fuck, it’s my blog!):

Kaufen und vor allem: Lesen!

Vielleicht nicht in einem durch wie ich (denn zwischendurch mal ins Mittelmeer huepfen koennen tat schon gut). Vielleicht nicht mit der gleichen Begeisterung an den gleichen Stellen (denn Selbstverliebheit und verbale Autoerotik Haas’scher Schule sind moeglicherweise doch nicht (w)immer Jedermanns Ding), aber dann sicher an anderen Stellen (denn jeder Mensch, der wissen moechte, was die Welt im Innersten zusammenhaelt – naemlich Sprache, Musik, Kultur, und wilde, freie Liebe – findet hier gewiss sein Saatkorn).

Schliessen wir mit den Worten des “Man in Red”, der doch meist eher schwarz-weiss traegt und vielleicht, wie sein grosses Vorbild Townes, ein Traurigliedmacher und Traurigliedlieber ist, maximal ein Melancholieliebhaber, niemals aber trauriger als Townes (kann ich bestaetigen, liest sich auch nicht so, und somit vermutlich auch nicht der neue Hilmar?):

“Wenn irgendjemand diese Welt rettet, dann junge Frauen. Und texanische Songwriter. Der Humor. Die Musik. Die Liebe.”

Ueber die texanischen Songwriter kann man natuerlich selbst als Minimal-Insider trefflich streiten (wie ueber vieles in diesem Beziehungsbuch – Achtung: beabsichtigt!). Andererseits hier einer der Zufaelle im Leben, die es nicht gibt: Da reise ich als Bayer (OK, Franke) und Muenchner (OK, Zugroaster), bewaffnet mit diesem Texas-Bayern-Fuehrer und einem Rock ‘n’ Roll-Shirt am Leib, als Cumpare, Cugnato, Marito und Pabaa in dieses italienische Texas, und was lese ich da im Editorial der Juli-Ausgabe der “Heritage Post”?

“Der Bayer ist der Cowboy von Deutschland. […] Stur und eigen wie ein Cowboy – im wilden Sueden Deutschlands.”

Aber interessant.

Geschichten als Gestaltungsräume für moderne Marken.

Vor gut eineinhalb Jahren hatte ich Freude und Ehre, im Rahmen der Vortragsreihe “DACS Show and Share” der Münchner Architekten Dina Andersen und Christian Schmid zu sprechen.

Es war ein heißer Juliabend, der erste heiße Abend nach vielen Wochen ungewöhnlicher Kälte und Regen im Juli. Das war cool. Einerseits, denn die die Atmosphäre im Hinterhof der Türkenstraße 21 in Münchens Studentenviertel war an diesem Abend mediterran, einladend ausladend, ausgelassen gelassen, geschichtenträchtig. Andererseits hingegen, was macht man an so einem heißen Sommerabend in Minga, gerade nach einer gefühlten Eiszeit? Genau: Biergarten. Dem geschuldet (so nahmen wir selbstsicher an) kamen statt der angemeldeten 80 Gäste gerade mal 35…

Enttäuschung? Nur im ersten Moment. Denn die, die kamen, wollten’s wirklich. Setzten erfreuliche Prioritäten, nahmen kurze wie längere Wege auf sich, um beim Vortrag “Geschichten als Gestaltungsräume für moderne Marken” über das immerheiße, immergrüne Geschichtenerzählen (neudeutsch: Storytelling), Bedeutung und Chancen für Imagebildung, Imageschärfung, Dialogfähigkeit und Geschäftsunterstützung moderner Marken (erfolglos) der Hitze zu entfliehen. Verschmähten Hoibe und Brezn, tauschten sie gegen Flaschenbier und Hirnschmalz, eingerahmt von Bob Dylan, Tracy Chapman, Mr. Jones und Guy Clark. Ein Traum von Sommer in der Stadt.

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Warum denke ich gerade jetzt an diesen Abend zurück? Sicher, weil’s draußen grad mal wieder eklig regnerisch windet und in schwachen Minuten gar schneit. Aber auch, weil mir folgendes Video, das im Vorfeld dieses Vortrags entstanden ist, zwar nicht in die Hände, aber doch virtuell zufällig vor die Augen fiel, als es schüchtern aus seiner Verbannung hinter den Gittern von Vimeo heraus lugte.

Alles noch so wahr wie damals, so wahr wie gestern und vorgestern, so wahr wie heute und morgen, so wahr ich dort stand):


<p><a href=”https://vimeo.com/99722916″>DACS_Storytelling_Tobias_Dennehy</a&gt; from <a href=”https://vimeo.com/user6666630″>Christian Schmid</a> on <a href=”https://vimeo.com”>Vimeo</a&gt;.</p>

 

Und wen’s interessiert, so fand’s die tapfere Teilnehmerin Susanne Kleiner:

“Starke Marken erzählen starke Geschichten”

 

“Wir sind Punks!” Über Demut, Gelassenheit und die Rückbesinnung auf alte Werte in der schönen neuen Webwelt.

 

“You better start swimmin’
or you’ll sink like a stone,
for the times, they are a-changin’.
— Bob Dylan, 1964

 

Alles im Wandel, immer zu, immer wieder. Evolution, das reicht uns schon lange nicht mehr. Talkin’ ’bout a revolution! Allerorten, politisch, wirtschaftlich, medial. Auch im Land der unbegrenzten Marketingmöglichkeiten des Internet. Hochkonjunktur der Hilf- und Orientierungslosen. Und tatsächlich: Angeblich revolutionäre Trends schießen wie kontaminierte Pilze aus medialen Böden, seit Jahren. Werden uns professionell Kommunikativen auf dem Altar der digitalen Eitelkeiten feilgeboten wie heilige Grale: Folgt dem Messias – oder gehet unter im Fegefeuer der Followerlosen! Und was tun wir? Folgen, natürlich. Wie Brians Jünger der liegengebliebenen Sandale.

Schluss damit, liebe Volksfront von Digitalien! Emanzipiert Euch!

Übt Euch in kritischer Distanz zur selbsternannten Content Revolution. Zu altem Wein in neuen Schläuchen. Übt Euch in demütiger Bescheidenheit, bevor Ihr das Wort ‚Revolution’ in Mund oder Feder nehmt! Demut vor der Geschichte, die retrospektiv gnadenlos so Manches ins rechte Licht rückt – oder in den Schatten stellt.

Mit dem Weitwinkelobjektiv der Geschichte empfiehlt der Literaturwissenschaftler – vulgo Ego – Besinnung auf alte Werte aus Zeiten, als Storytelling noch Geschichtenerzählen hieß, und Content Literatur oder Dichtung. Lest Aristoteles und Opitz, Shakespeare und Goethe und all ihre Erben. Und lernt so ein wenig mehr Gelassenheit im Umgang mit scheinbar neuen Medien und deren Bewohnern, der unheimlichen Spezies namens User. Entlarvt und demaskiert ist dieser gar nicht mehr so undurchsichtig, bedarf gar keiner großer Daten (für Dengländer: Big Data), um verstanden zu werden. Zwar hat die multidirektionale, grenzenlose Erreichbarkeit und Vernetzheit des Indivualmassenmediums Internet (ob 1.0, 2.0 oder x.0) zu einer medialen Gerissenheit und einem kognitiven Vorsprung des Empfängers vor dem Sender geführt. Doch das ist keine schlechte, sondern eine gute Nachricht, führt sie doch im Kant’schen Sinne zu einem Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, lautete 1784 der Wahlspruch der Aufklärung, und das Internet ist Aufklärung 2.0: Menschen, die Corporate Messages und Corporate Advertising keinen Glauben mehr schenken, Menschen, die, unterstützt durch Technologie, gleichberechtigte Gesprächspartner werden. Nicht mehr der Leitung anderer folgen, sondern selbst diese Leitung zu übernehmen. Über Marken, deren Wahrnehmung, deren Inhalte. Insofern gibt es keine Content Revolution, sondern nur eine Content Quality Revolution, in der das Wort Content nicht nur für Inhalt, sondern auch Gehalt und Zufriedenheit des Empfängers, nicht des Senders steht.

Menschen sind kein Big Data, keine Nullen und Einsen. Sie sind subjektiv und individuell, nicht objektiv und kollektiv. Ein unberechenbarer Teil jeweils unterschiedlich beschaffener, unterschiedlich großer Gemeinschaften (neudeutsch: Communitys). Diese Menschen sind im digitalen Zeitalter Projektionsflächen für Geschichten, für Geschichten, die sie selbst erleben, aber auch für diejenigen, die sie aufsaugen – oder auch wieder angewidert ausspucken. Sie sind eben nicht mehr nur Rezipienten, Konsument und Lemming, sondern Produzent, Prosument und spielregelverändernde Punks.

Schreck lass nach!

Ein Entschreckungsszenario in drei Thesen:

1. User sind Menschen. Menschen lieben Geschichten. Und Geschichtenerzählen kann gelernt werden!

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„Der storycodeX“ nach @herrdennehy: Erwartunges schaffen und befriedigen. Überraschen. Verändern.

 

2. Punks wollen sich nicht bevormunden lassen. Sie wollen mitgestalten und mitbestimmen. Lassen wir sie!

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Poe weitergesponnen: Konzentration auf das Individuum in der Crowd, Beobachten, Loslassen. Als Marke zur Crowd werden, und die Crowd zur Marke werden lassen.

 

3. Alles ist vernetzt und organisiert. Drum müssen auch wir es sein!

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Der Siemens Corporate Newsroom in der Unternehmenszentrale in München: Pionierarbeit und erfolgreiches Experiment themenbasierter Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg.

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Die „Corporate Story Architecture“ nach @herrdennehy: Von der großen Markengeschichte über all die kleinen Geschichten, die diese zum Leben erwecken und glaubhaft machen, bis hin zur strategisch geplanten Präsenz der Marke im medialen Mark. Ein stabiles Gebilde, das so manchem medialen Hurricane standhält.

 

(Dieser Beitrag erschien erstmals am 5. Januar 2016 auf der Blogplattform des Content Marketing Forum unter http://content-marketing-forum.com/blog/wir-sind-punks/)

Mehr zur Corporate Story Architecture, dem storycodeX und der Idee der Co-Creation aus dem Corporate Newsroom im Buch „Storytelling – Digital, Multimedia, Social: Formen und Praxis für PR, Marketing, TV, Game und Social Media“, das im Frühjahr 2016 im Hanser Verlag erscheinen wird, nach- und weiterlesen.

Über die Hoffnung auf Menschlichkeit, vereint im Rap.

 

“Was kommt auf uns zu? Ich sehe herum, und alles zerbricht.

Alles ist in Stücken. Diese Zeit, in der wir leben.

Was, wenn etwas passieren würde? Wer würde sich um uns kümmern?

Es scheint, dass alles uns zerstören könnte.

Die Leute wollen unsere Familie zerstören. Hüte dich vor Ihnen, sie wollen uns alle zerstören.

Ich fühle es, alles so nah.

Diese schreckliche … schreckliche Katastrophe.”

(Maxim Gorki, Die Kleinbürger, 2. Akt., 1902)

Die Angst vor dem Fremden, dem Anderen, dem Unverständlichen gehört zum Menschsein und zur Menschgeschichte wie das Auf- und Untergehen der Sonne. Leider. Hierfür gibt es in der Geschichte ebenso wie in den Geschichten der Literatur allerorten viele traurige Beweise. Davon ist Obenstehender nur einer. Aus einer anderen Zeit, aus einem anderen Land, aus einem Drama, das seinen Namen verdient, beschäftigt mit dem einen Thema, das in uns stets und immer fortwährend die größten Ängste und größten Drama auslöst: Die Veränderung. So viel Positives aus jeder Veränderung hervorgeht, aus dem Neuen, aus dem Anderen, aus dem Vermischen des bisher Unvermischten, so sehr hat der Mensch immer genau davor Angst.

Auch heute wieder, 113 Jahre nachdem Gorki seine Kleinbürger über “diese schreckliche Katastrophe” hat lamentieren lassen, klingen die Menschen haargenauso. Alles zerbricht. Alles ist in Stücken. Alles scheint zerstört zu werden. Und hütet Euch vor ihnen. Vor Terroristen. Vor Islamisten. Und überhaupt vor dem Islam. Vor Flüchtlingen. Vor Marie Le Pen. Vor der Pegida. Vor den Medien. Vor Facebook. Vor der Digitalisierung. Vor der Globalisierung. Vor Deinem Nachbarn. Vor …

Und ob wir das (was auch immer DAS ist) schaffen, wird wiederum die Geschichte zeigen. Aber, wie immer, sind nicht die großen, lauten Medienberichte über katastrophale Zustände an Europas Grenzen oder in Flüchtlingsheimen, über zunehmende ausländerfeindliche Übergriffe auf und Demonstrationen gegen selbige, über hilflose Helfer und machtlose, weil ideenlose Politiker die (einzige) Realität. Nein (und auch das zeigen etwas feinfühligere Medien), es sind all die kleinen Geschichten und Momente des Alltags, in denen Integration, begleitet von unglaublichem Einsatz und Geduld, nicht nur möglich wird, sondern schon Realität ist.

Menschlichkeit ist möglich. Menschlichkeit ist Realität.

So gesehen und intensiv gefühlt bei der Schulweihnachtsfeier meiner Töchter in der vergangenen Woche. Liebevoll dekoriert und inszeniert (siehe Foto) bot, wie in jedem Jahr, jede Klasse etwas dar. Gesang, Tanz, Instrumentalmusik. Sehr schön, wie immer. Was nicht wie immer war, war der Weihnachtsrap der sogenannten “Übergangsklasse”, in der Kinder mit Migrations- oder Flüchtlinglingshintergrund über die Sprachbrücke in den Regelschulbetrieb begleitet werden. In erstaunlich gutem Deutsch (man denke an die kurze Zeitspanne von September bis Weihnachten!) und mit unbändiger Freude wurde hier gerappt und getanzt, ungeachtet von Alter, Hautfarbe, Herkunft, Glaube oder anderer angebliche trennender Faktoren. Vereint im Rap.

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Es waren nur zwei Minuten, aber zwei Minuten, in denen ich spürte, sicher auch angeschickert von der allgemeinen, dem Frühlingswetter trotzenden Weihnachtssentimentalität, der Stimmung der stimmungsvoll geschmückten Schulweihnachtshalle: Menschlichkeit ist möglich, und Menschlichkeit wird siegen, sie muss. Und ja, wenn wir das alle wollen, dann schaffen wir das!

Wir dürfen nur die Hoffnung nicht aufgeben, dürfen Geschichte und Geschichten nicht vergessen. Derer, die jetzt Hilfe benötigen, ebenso wie die derer, die vor vielen Jahrzehnten oder Jahrhunderten hilfebedürftig waren. Denn das waren möglicherweise die Unseren, waren möglicherweise wir.

History repeats itself. All we have to do is learn.

How an infographic from 1938 unfolds its full hiSTORYcal power just today…

Sometimes, it takes 77 years for the true power of a story to unfold.

Sometimes, it takes 77 years to prove that data and graphs are nothing without a story

Sometimes, you read 77-year-old figures, and it simply goes BOOM when you connect them to the present.

And sometimes, the best pieces of content need no further explanation…

#refugeeswelcome or #refugeesnotwelcome ?

#understanding or #ignorance ?

#peace or #war ?

#love or #hate ?

#HIStory or #HERstory or #OURstory ?

#jews or #muslims or #catholics or #protestants or #hindus or #buddhists or #whoeverisdifferent ?

#hiSTORY or #future ?

#lessonslearned or #nothinglearned ?

 

We will see. Hope dies last, they say. But it dies.

 

“Freid”: Side notes on Bavarian linguistics

der bayer wieder
als hätt’ er’s stets gewusst
macht im dialekt
mehr unter- noch als selbst-bewusst
alles perfekt.

mal erfreut er sich am leid
mal leidet er mit freuden
mal freut er sich allein
dann wieder leid mit leuten
mal weint er leis’ beim lachen
oder lächelt unter tränen.

so sehr er weiß, er sollt’ sich grämen
sollt’ wüten, fluchen, sich am schicksal rächen
so helfen ihm doch freuds fontänen
nicht an schmerzen zu zerbrechen.

sprech ich noch vom bayern hier?
oder vielmehr doch von dir, von mir?
der hinter sorgenfalten, leid und tod
doch stets ein lächeln zu seh’n vermag.

denn wahrlich mensch ist nur
wer moll hört ebenso wie dur
wer freud verschmilzt mit leid
dem ist das leben … a wahre freid.

und der fühlt sich freier.
unbewusst.
wia a bayer.

The thin line between Mekka and Babylon: #refugeeswelcome … but for how long?

 

(Photo: Raul Rognean, 2010 Wien – “Turmbau zu Babel” – Pieter Bruegel dem Älteren, Öl auf Eichenholz, 114 cm × 155 cm – Kunsthistorisches Museum Wien)

(Photo: Raul Rognean, 2010 Wien – “Turmbau zu Babel” – Pieter Bruegel dem Älteren, Öl auf Eichenholz, 114 cm × 155 cm – Kunsthistorisches Museum Wien)

In Germany, there is a new dictum, word-of-the-year-to-be: “Willkommenskultur”. It refers to the way that (in a historically remarkable dimension) “the Germans” (whoever that is), have reacted to the (not surprising, but surprisingly massive) influx of refugees to their country, from places less fortunate than their own. These Germans have welcomed and continue to welcome them with open arms, open minds, open hearts. Germany, the new paradise, a refuge where people understand, listen, help, help, help. Wherever they can, whenever they can, however they can – even at their own expense, pecuniarily, temporally, emotionally. Germany, the eye of the world’s storm for so many battered, shattered and scattered men, woman and children. A place where all is calm, all is bright. A Western Mekka with an angel(a)ic halo.

But, unfortunately, Mekka is not that far away from Babylon, never was. It’s a thin line between the land of milk and honey, where all is understanding, same language, same beliefs, same values, and the place where nothing is understood, where languages are world’s apart, beliefs and values just as much. Where a lingua universalis does not exist, where decent English is merely the fragile foundation of Babel’s Tower, rudimentary knowledge of German vocabulary and grammar nothing but an inevitable beginning, yet never a remedy. Language alone cannot bridge gaps, refute misconceptions, overcome prejudices. Misunderstandings generally go deeper.

Paradise Lost?

Indications of the gauzy fragility of our newly discovered Willkommenskultur are omnipresent for dialecticians, and I fear the tipping point is soon to come…

Scene #1: Sitting at McD’s a couple of days ago, I overheard a discussion between an elderly couple, cracker-barrel philosophising about the refugee crisis. Sentences like “Die sind doch selber schuld, wenn sie aus ihren Ländern fliehen!” and “Wir sollten die alle wieder zurückschicken” fell amidst fat big mac munchs, nutritious cornerstones American foreigners had brought decades ago, those foreigners that helped put an end to this couple’s own fellow countrymen’s flights.

Scene #2: For the first time in months, anti-islamic, right-wing Pegida movement has managed to active 8.000 supporters for its recent rally, its Facebook presence states an increase of almost 4.000 page likes since September 20, with 62.341 talking abouts. Just highlighting one random comment makes you shomit (shiver and vomit): Wir sind nicht alle Asylantenfreudlich.Viele,sehr viele Deutsche wollen das Pack hier nicht haben und stehen hinter jedem, der sich gegen die Parasiten wehrt.” Willkommenskultur? Hmmm. The only consoling thing: the ignorant female writing this comment only has 39 friends herself, serves her right. Still: She is not alone, and the engagement rate on Pegida’s Facebook page is alarming, amazing, and incredibly credible to those prone to reactionary German protectionism.

Scene #3: A zeit.de interview with Thilo Sarrazin, German politician and writer, clear-cut enfant terrible who in 2010 published a controversial book called “Die Deutschen schaffen sich ab”. He’s back in town, in search of scandalous limelight, provoking with statements like “Wir müssen unsere eigene Bevölkerung und unser Gesellschaftsmodell vor äußerer Bedrohung schützen. Dazu gehört auch ungeregelte, kulturfremde Einwanderung im Übermaß.” or “Die allermeisten trauen sich vermutlich gar nicht mehr, ihre Ängste und Meinungen offen auszusprechen. Ich kann nur eines sagen: Es gibt eine ganz große unterdrückte Wut und einen ganz großen Frust, der sich keineswegs auf Sachsen beschränkt.” (in: zeit.de from September 13).

Sounds detestable, refusal is the natural reflex.

But: What if he’s right, even if just a little bit? What if the infamous election slogan of Bavaria’s CSU from decades ago “Das Boot ist voll!” may indeed be nothing but the truth very soon? After all, the recent influx of refugees seeking for asylum (however justified or not every individual plea may be) is not even comparable (not in size, not in drama) to the imaginative storm clouds of otherness that were apparently dooming over last century’s Wohlstandsdeutschland, its gardens in Grünwald and kindergardens in Bogenhausen. Now it is indeed a sheer oppressive mass of people, a veritable tsunami smashing its waves on our own front door. What if the first asylum seekers who get accepted begin their eager integration process, willing to become full, respecting and respected members of their new homeland, not only learn our language and customs, but also start applying for and even getting the jobs you or your friend wanted, get the crèche place you thought was reserved for your daughter? “Fachkräftemangel” is yet another IT-word of German society, and certainly many a qualified refugee will help fill this gap, but: “weil sich der einfache Mann nicht durch Ärzte und Ingenieure bedroht fühlt, sondern durch Menschen, die stark sind, Muskeln haben, einfache Tätigkeiten machen können und damit seinen Lohn senken oder ihn vielleicht ganz überflüssig machen” (from same interview with Sarrazin), tolerance and helpfulness might quickly turn into reluctant and coy doubt, which again might turn into open resentfulness, rejection, maybe even uproar and rebellion.

hiSTORY repeats itself with (more or less) instant karma

Might and maybe are dominating words here, and I’m not saying Sarrazin is right, not at all agreeing with most things he says and the way he uses societal developments for his own populist fame (and fortune), BUT: hiSTORY teaches us that people love to help other people as long as it doesn’t interfere with their own lives in a sustainably negative way. So: what, if…what, if…what if…???

During my summer holidays, when the first refugee streams were mere abstract news in digital feeds, so not that long ago, I read a remarkable and highly recommendable book called “Die zerissenen Jahre 1918-1938”. In words understandable to historical laymen like me, author Philipp Blom circumnavigates the macro perspective, historical dates, and hashed and re-hashed highlights that made us detest school history lessons. Blom rather makes use of impressive, very well-dosed storytelling that makes macro developments come to life in micro worlds, spans the perspectives from heroes all over the world, and accountably explains (not justifies) why the darkest chapter of the 20th century was practically inevitable. The book’s 500 pages make this pretty apparent. I read about the seemingly little things that made big things happen, about little misunderstandings that led to massive catastrophes, about manipulated, ill-informed and emotionally ignored people(s) that blew off steam in the face of the innocents and unprotected, but also about power-obsessed, fanatic men (men, NEVER women!) who brought so much pain onto their people that these had to flee their homes, Jews, Russians and Germans being just a few to be named.

And while I read these stories with awestruck incredulity, I frequently felt compelled to draw parallels to what is happening all around the world today, 100 years later: While Europe is certainly a better and safer place to be, so many countries are not: Syria. Afghanistan. Iran. Somalia. Russia, you name it, even China, if we’re honest.

One of the sentences concluding Blom’s hiSTORYcal book puts my thoughts into words:

Für diejenigen, die glauben, dass wir aus der Geschichte lernen können, ist diese Parallele zur Zwischenkriegsgeschichte alles andere als beruhigend. (bpb Edition, p. 507)

 

To be honest: Looking at the state of the world today, aware of the fragility of Europe’s  freedom, peace, and stability, and also of the thin line between Willkommenskultur and Pegida, aware of how quickly moods can change, I am not really beruhigt.

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“Zwischenwelten”: Side notes on a blurred world.

Grenzuebergang_Glasergrund_klein
zwischen welten
auf dem weg ins niemandsland
navigation ausgefallen
wo bin ich?
wer?

jahre, ins land gegangen
in die jahre gekommen
grenzen, einst klar und gut bewacht,
nun verschwommen, zerronnen.

beklommen
stehen wir
vor der überwucherten grenzschranke.

zwischen menschen
am herzen liegend
emotionaler bypass
unregelmäßiger schlag
ins wasser zerflossener träume.

wie leicht lebt sich’s
wenn der kompass süden sucht
ein stich der nadel
ins eigene herz.

beklommen stehen wir
vor der überwucherten grenzschranke.

zwischen farben
längst verblasst und aufgelöst
schwarz und weiß ausgestorben
kein weg
aus dem labyrinth grauer töne.

beklommen
stehen wir.

beklommen.

 

“Warteschleife”: Side notes on a world placed on hold.

da sitzt sie
die koffer gepackt.
und wartet.

worauf?

da liegt sie
schlägt noch im takt.
und starrt.

wohin?

es dämmert
in der stille ihrer welt
eine frage im nebel.

warum?

hinter milchigen augen
geht eine welt zuende.

die letzten strahlen
die den balkon erhellen
werden die ersten sein.

woher?

da lacht sie
bewusst und gut gezielt
morphides winkelzucken

zu wem?

da weint sie
dann wenn’s keiner sieht
einsame tränen der sehnsucht.

wonach?

hinter milchigen augen
unterschmerzen, überwältigt
blutleer, würdevoll

geht eine welt zuende.

vom kampf zerwühlt
im frieden ruhig

geht eine welt zuende.

oma