poems

warteschleife

da sitzt sie
die koffer gepackt.
und wartet.

worauf?

da liegt sie
schlägt noch im takt.
und starrt.

wohin?

es dämmert
in der stille ihrer welt
eine frage im nebel.

warum?

hinter milchigen augen
geht eine welt zuende.

die letzten strahlen
die den balkon erhellt
werden die ersten sein.

woher?

da lacht sie
bewusst und gut gezielt
morphides winkelzucken

zu wem?

da weint sie
dann wenn’s keiner sieht
einsame tränen der sehnsucht.

wonach?

hinter milchigen augen
unterschmerzen, überwältigt
blutleer, würdevoll

geht eine welt zuende.

vom kampf zerwühlt
im frieden ruhig

geht eine weltzuende.

@herrdennehy 2015

 


 

zwischenwelten

zwischen welten
auf dem weg ins niemandsland
navigation ausgefallen
wo bin ich?
wer?

jahre, ins land gegangen
in die jahre gekommen
grenzen, einst klar und gut bewacht,
nun verschwommen, zerronnen.

beklommen stehen wir vor der
überwucherten grenzschranke.

zwischen menschen
am herzen liegend
emotionaler bypass
unregelmäßiger schlag
ins wasser zerflossener träume.

wie leicht lebt sich’s
wenn der kompass süden sucht
der stich der nadel
ins eigene herz.

beklommen stehen wir vor der
überwucherten grenzschranke.

zwischen farben,
längst verblasst und aufgelöst
schwarz und weiß ausgestorben
kein weg
aus dem labyrinth grauer töne.

beklommen
stehen wir.

beklommen.

@herrdennehy 2015

 


 

vor freude

vor freude nicht wissen nicht wohin
vor, zurück, immer im seitschritt
endlich soweit
noch nicht bereit
wofür?

im blick zurück verschleiert erinnerung rosarot
färbt das morgen grauer
versteckt gestrige Hoffnungen
hinterm schleier enttäuschter realität.

auf zelluloid, in pixeln gebannt
schaut ein anderer mensch
naivität verbrannt im fluss der zeit
eingeholt von der schönheit künftiger momente.

kopf frei, auf drei!
urlaub, zeit der auflösung
alltäglicher gewohnheiten
und wenn’s nicht geht
weil die welt sich weiterdreht?

in mir, perpetuum mobile,
wiesnkarussell in endlosschleife
kein entkommen vor sich selbst
weil’s ja sonst keiner merkt.

@herrdennehy 2014

 


 

fluchtmomente

fluchtmomente, rar gesät.
fluchtmomente, zu wenige, zu spät.
erkennen, wovor du fliehst,
wohin du gehst.

zu viele menschen, dennoch allein.
zu vieles, zu gut gemeint.
nur noch gehen, durchdrehen.
endlich mal anderes sehen.

@herrdennehy 2014

 


 

randnotizen

alles verfügbar, hier und jetzt
nichts offen, kein wunsch verletzt
kaum erblickt, schon gezückt
fremdwort sehnen.

regale voll, nasen auch
volle köpfe, fetter bauch
kaum erblickt, schon gebückt
alle münder gähnen.

immerschnellerimmerweiterhöhertieferallebreiter
immerbilligerimmerwilligernichtsmehrheilignurmitschein
spriralenkreishinaufhinunterimmertristerimmerbunter
glücklichwähnen.

homo analogus ausgestorben
pixeliges grab schon ausgehoben
immer
langsamer
immer
träger
suchen gesterns kinder noch nach glück
stück für stück mit blick zurück
doch da ist nichts mehr
außer randnotizen, im sand, am meer.

@herrdennehy 2014

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s