gedichte.

auf grüner wiese

auf grüner wiese
ausgestiegen
ausfahrt verfehlt.

aber ich müsste doch!
wo ist? wo sind?
wo bin ich?

hingefallen, gestürzt
gestolpert
über eigene füße.

grüne wiese
blauer himmel
schwarze wolken.

neu beginnen, alt werden
ungesehen
ungeschehen.

auf grüner wiese
liegengeblieben
kribbeln im bein.

auf der suche nach
hinterherlaufen
kein vor, kein zurück.

auf grüner wiese
stehen
sehen
gehen.

herr dennehy, 2016.


 

kaum zu glauben

jetzt, am anfang
immer noch unglaublich
erinnerungen zusammenklauben
über das ende.

vor kurzem noch, kurz vor dem ende
noch geschichten erzählt, gehört
von niemandem gestört
am anfang vom ende.

stille momente
auf der suche nach geschichte
über niemanden zu richten
das wäre ein anfang.

vor der warteschleife
kurz nach hinten geblickt
gedanken dorthin zurück geschickt
wo es anfing zu enden.

nie ist’s zu spät
und doch war es das
um herauszufinden
was dort lag
ungehoben, tag um tag.

nun ist’s dahin
doch der sinn
zu glauben
zu schreiben
zu bleiben
endet nie.

herr dennehy, 2016.


 

abgeschoben?

kurz vor dem abgrund
die handbremse gezogen
erwartungen zerstoben.

noch nicht wollen
noch nicht sollen
weg von hier.

in einem eck allein
endet das sein
im jetzt und hier.

alle lieben nun weit weg
beweg mich nicht vom fleck
abgestellt zum sterben.

dann plötzlich frieden
plötzlich zufrieden
der blick nach vorn
nicht mehr zurück.

eine flamme
leuchtet den weg
klänge stehen sanft spalier
tragen mich hinüber
will nun nicht mehr viel.

zum abschied leise:
danke.

herr dennehy, 2015.


 

warteschleife

da sitzt sie
die koffer gepackt.
und wartet.

worauf?

da liegt sie
schlägt noch im takt.
und starrt.

wohin?

es dämmert
in der stille ihrer welt
eine frage im nebel.

warum?

hinter milchigen augen
geht eine welt zuende.

die letzten strahlen
die den balkon erhellt
werden die ersten sein.

woher?

da lacht sie
bewusst und gut gezielt
morphides winkelzucken

zu wem?

da weint sie
dann wenn’s keiner sieht
einsame tränen der sehnsucht.

wonach?

hinter milchigen augen
unterschmerzen, überwältigt
blutleer, würdevoll

geht eine welt zuende.

vom kampf zerwühlt
im frieden ruhig

geht eine welt zuende.

herr dennehy, 2015.

 


 

zwischenwelten

zwischen welten
auf dem weg ins niemandsland
navigation ausgefallen
wo bin ich?
wer?

jahre, ins land gegangen
in die jahre gekommen
grenzen, einst klar und gut bewacht,
nun verschwommen, zerronnen.

beklommen stehen wir vor der
überwucherten grenzschranke.

zwischen menschen
am herzen liegend
emotionaler bypass
unregelmäßiger schlag
ins wasser zerflossener träume.

wie leicht lebt sich’s
wenn der kompass süden sucht
der stich der nadel
ins eigene herz.

beklommen stehen wir vor der
überwucherten grenzschranke.

zwischen farben,
längst verblasst und aufgelöst
schwarz und weiß ausgestorben
kein weg
aus dem labyrinth grauer töne.

beklommen
stehen wir.

beklommen.

herr dennehy, 2015.

 


 

vor freude

vor freude nicht wissen nicht wohin
vor, zurück, immer im seitschritt
endlich soweit
noch nicht bereit
wofür?

im blick zurück verschleiert erinnerung rosarot
färbt das morgen grauer
versteckt gestrige Hoffnungen
hinterm schleier enttäuschter realität.

auf zelluloid, in pixeln gebannt
schaut ein anderer mensch
naivität verbrannt im fluss der zeit
eingeholt von der schönheit künftiger momente.

kopf frei, auf drei!
urlaub, zeit der auflösung
alltäglicher gewohnheiten
und wenn’s nicht geht
weil die welt sich weiterdreht?

in mir, perpetuum mobile,
wiesnkarussell in endlosschleife
kein entkommen vor sich selbst
weil’s ja sonst keiner merkt.

herr dennehy, 2014.

 


 

fluchtmomente

fluchtmomente, rar gesät.
fluchtmomente, zu wenige, zu spät.
erkennen, wovor du fliehst,
wohin du gehst.

zu viele menschen, dennoch allein.
zu vieles, zu gut gemeint.
nur noch gehen, durchdrehen.
endlich mal anderes sehen.

herr dennehy, 2014.

 


 

randnotizen

alles verfügbar, hier und jetzt
nichts offen, kein wunsch verletzt
kaum erblickt, schon gezückt
fremdwort sehnen.

regale voll, nasen auch
volle köpfe, fetter bauch
kaum erblickt, schon gebückt
alle münder gähnen.

immerschnellerimmerweiterhöhertieferallebreiter
immerbilligerimmerwilligernichtsmehrheilignurmitschein
spriralenkreishinaufhinunterimmertristerimmerbunter
glücklichwähnen.

homo analogus ausgestorben
pixeliges grab schon ausgehoben
immer
langsamer
immer
träger
suchen gesterns kinder noch nach glück
stück für stück mit blick zurück
doch da ist nichts mehr
außer randnotizen, im sand, am meer.

herr dennehy, 2014.

 

 

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